Wie der Titel schon sagt: Ich möchte Stellung beziehen. Mich hat zwar niemand darum gebeten, aber glücklicherweise kann ich in meinem Blog machen, was ich möchte.
Nachdem ich heute auf der "Sparkscon" in Augsburg war – eine Digitalmesse – hatte sich ein Wort in mein Gehirn gebrannt. Fast jeder einzelne Talk auf dieser Veranstaltung hatte es als Hauptthema. Egal wo du hingingst, du konntest ihm nicht entkommen. Diesem einen Wort, zwei Buchstaben.
KI...
Wenn ich ehrlich sein soll, kann ich das Thema nicht mehr hören und das, obwohl ich KI tagtäglich benutze und wahrscheinlich auch nicht mehr ohne sie arbeiten könnte. Ich hab eine Hassliebe mit der KI. Obwohl... nicht mit Claude. Da ist nur Liebe. Anyways... Eine Hassliebe also. Ich wollte diesen Blogpost schon länger schreiben. Ich fühle mich als Designer schon fast verpflichtet, mich zur KI-Nutzung zu äußern, aber ich hab mich nicht getraut, da ich nicht wusste, wie ich dieses Thema behandeln konnte, ohne ein Heuchler zu sein. Ich kann nicht auf der einen Seite immer wieder Reels in meiner Instagram-Story über schlechte KI-Poster posten und auf der anderen Seite meinen eigenen JARVIS-KI-Assistenten bauen.
KI ALS RECHNENDE MASCHINE
Spätestens nachdem man "Avengers - Age of Ultron" geschaut hat, kann man mit Sicherheit sagen, dass KI wahrscheinlich mal unser Ende sein wird. Und das, weil sie effizienter ist, als Menschen jemals sein können. Sie liest ein ganzes Buch in wenigen Sekunden und kann es tausendmal besser wiedergeben, als wir es jemals könnten. Die KI kann in Sekunden Bilder generieren, für die ich Stunden in Photoshop gebraucht hätte. Sie kann ganze Webseiten bauen und das mit dem Prompt: "Joa, also... so eine Webseite wäre nicht schlecht. Mach mal bisschen Blau und Rot. Aber ein schönes Rot, nicht so ein hässliches Rot" (was auch immer das heißen soll). Und don't get me wrong, beim coden dieser Webseite hab ich sicherlich auch selbst mal als Prompt "Mach es schöner" verwendet. Hat das funktioniert? Nein. Sah trotzdem auf gut Deutsch gesagt wie hingeschissen aus. Warum? Weil die KI nicht weiß, was schön ist und was nicht. Sie hat keinen Sinn für Ästhetik, denn sie berechnet nur. Die Webseiten, die am besten geklickt werden, sind die, die am besten funktionieren. Das ist keine Inspirations-Suche, wie Designer das vielleicht machen würden, sondern eine eiskalte Kalkulation. Und traurigerweise muss man festhalten, dass das in den meisten Fällen auch reicht.
WARUM WIR MENSCHEN UNERSETZLICH SIND
Aber hier möchte ich einhaken. Wir Menschen sind für so viel mehr gemacht als nur da zu sitzen, schnell mal eine Webseite coden zu lassen und dann mit unserem Tag weiterzumachen. Wir Menschen haben etwas, was niemand sonst hat, jedenfalls in dem Ausmaß: Vorstellungsvermögen und Kritikfähigkeit. Ohne jetzt die Geschichte des Menschen zu kennen, bin ich stark der Meinung, dass wir deswegen da sind, wo wir jetzt sind, weil wir diese Fähigkeiten haben. Einst saßen frühe Menschen im Regen auf dem Feld und dachten sich: "Regen ist gar nicht so geil. Wär schon schön, wenn man das ändern könnte.", anstatt es einfach hinzunehmen, wie es andere Spezies machen würden.
Meiner Meinung nach – und entschuldigt, wenn es jetzt zu tiefgründig wird – ist der Sinn des Lebens, zu kreieren. Kunst, in all ihren Facetten. Musik, Malen, Geschichten und Gedichte schreiben, Filme machen und so weiter. Einfach Kunst. Und komischerweise haben wir das als Erstes ersetzt. Warum? Weil es am einfachsten ist. Aber genau das ist, was Kunst so spannend und beeindruckend macht. Dass es schwer ist. Ich möchte hier wieder auf meinen Artikel "Portfolio aus der Hölle" verweisen, in dem ich beschrieben hab, wie schwer es für mich war, dieses Portfolio zu machen. Aber genau das ist, was es für mich zu einer Art Kunst macht. Ich kann fast alle Gestaltungsentscheidungen irgendwie begründen – obwohl es hauptsächlich ein unsicheres "..... Weil ich es schön fand?" wäre, aber sagt das nicht meinem Ausbilder.
Wie konnten wir es zulassen, dass die Arbeit, die am erfüllendsten, am schönsten und am kreativsten ist, von einer Maschine übernommen wurde und Excel-Tabellen immer noch per Hand geschrieben werden?
Ich finde, hier können wir auch noch mal einen Bogen zu den KI-Postern spannen, die aktuell eine Seuche auf Social Media sind. Ich möchte hiermit festhalten: Wenn du dein Event, dein Produkt, deine Marke mit einem KI-Poster bewirbst, komme ich nicht, kaufe ich es nicht, vertraue ich dir nicht. Punkt. Und ist das nicht genau der Zweck vom Bewerben mit diesen Postern?
VERTRAUEN ALS WICHTIGSTES MARKEN-GUT
Eine Sache, die für mich eine gute Marke ausmacht, ist Vertrauen. In einem Zeitalter, wo du nicht mehr weißt, was echt ist und was nicht, was ein Scam ist und was nicht, ist es extrem, wenn nicht essenziell wichtig, Vertrauen zu schaffen. Deswegen würde ich auch jedem einzelnen Unternehmen empfehlen, Social Media zu machen, auch wenn das meiner Meinung nach wieder eine ganz andere Problemstelle ist. Aber es hilft, als Marke Vertrauen zu schaffen. Sobald ich als User sehe: "Hey, hinter dieser Marke stecken ja echte Menschen", dann vertraue ich dem viel mehr. Warum? Weil irgendjemand genug hinter der Marke steht, um sich öffentlich dafür auszusprechen. Witzigerweise schreibe ich das und hab selbst noch kein Design-Instagram, nur ein persönliches... und das bekommt ihr nicht (Ist eh privat). Sagen wir so: Es ist auf meiner ellenlangen To-Do-Liste. Was schafft noch Vertrauen? Eine konsistente Marken-Strategie. Wenn euer Design inkonsistent ist, zeigt mir das, dass ihr entweder keinen Plan habt, kein Geld für einen Designer – oder wenigstens Canva-Pro – oder dass ihr Scammer seid. Genauso geht es mir mit KI-produzierten Werbemitteln. Warum sollte ich Geld für ein Produkt ausgeben, in dessen Bewerbung die eigene Firma kein Geld stecken möchte? Das wirkt für mich als Verbraucher, als würden sie sagen: "Hier. Du hast die Ehre, unser Produkt zu kaufen." Es wirkt nicht ehrlich und aufrichtig.
KI ALS WERKZEUG, NICHT ALS DESIGNER
Um jetzt wieder zurück zum Thema zu kommen: KI. Ich bin nicht gegen KI, versteht mich nicht falsch. Wenn ich aktuell mit meinem Vater telefoniere, geht es nur darum, welche neue Funktion wir gefunden haben, wie unsere KI-Workflows laufen und was man noch alles machen kann. Ich liebe es, innovativ zu denken. Always have, always will. Ich hab – leider bevor ich wusste, was Claude Co-Work ist – versucht, meinen eigenen KI-Assistenten Albert zu erschaffen, der ein bisschen wie JARVIS von Iron Man funktionieren soll und mir im Alltag helfen soll, meine 50 Side Quests zu meistern. Albert gibt es schon auf dieser Webseite. Er ist der KI-Chatbot, der euch durch mein Portfolio führen kann, aber oh... ich hatte noch so viel mehr mit Albert vor. Mehr dazu in einem anderen Blogpost.
Ich benutze Claude Code und Antigravity, um alle meine Webseiten zu coden. ABER! Ich benutze keine KI, um sie zu designen. Und genau hier ziehe ich eben die Linie. Alles, was kreative Arbeit ist, wird bei mir von mir selbst erledigt. Die Figma-Entwürfe, die UX-Struktur, die Überlegungen, wie die Responsiveness funktionieren soll, usw. Genau deswegen werden meine Blogposts auch komplett von mir geschrieben... Ok, Claude liest vielleicht Korrektur, weil ich nicht so gut mit Kommas bin und als Kind nicht gut mit Rechtschreibung war und deswegen ein Trauma hab, aber das ist alles. Er denkt sich nichts dazu oder schreibt Passagen neu. Zugegeben, das macht mir auch ein bisschen Angst, weil das, was ihr hier lest, genauso aus meinem Kopf kommt... Ungut.
DIE ESSENZ VON DESIGN
Bei mir werden keine Logos mit KI gemacht. Nein. Ich möchte zunächst die Marke verstehen und daraus eine maßgeschneiderte Lösung finden, die nicht nur (hoffentlich) gut aussieht, sondern vor allem ein Gefühl vermittelt, mit dem man sich als Unternehmen, Mitarbeiter und Kunden identifizieren kann. Und das ist ein bisschen die Essenz. Das Gefühl. Das kann meiner Meinung nach nicht von einer Maschine nachgeahmt werden.
Und innovativ ist eine KI ja schon mal gar nicht. Gerade in einer Zeit, wo es noch nie so einfach war, eine Webseite zu gestalten, ein Start-up zu gründen, wird es immer schwieriger, wirklich herauszustechen. Dazu hab ich auf der Sparkscon einen guten Vortrag gehört. Deine größte Konkurrenz ist das Vergessen. Marken in einer Branche sehen alle gleich aus und haben die gleichen Statements, was nicht verwunderlich ist, weil sie ja auch das Gleiche anbieten, aber wie sticht man da dann noch raus? Meiner Meinung nach: Indem man erstens seine Marke und seinen USP kennt und den dann auf eine witzige und innovative Art und Weise darstellen kann.
Um diesen bereits langen Blogeintrag nun zu beenden. Ich bin nicht gegen KI. Ich finde es auf der einen Seite extrem interessant und cool, damit zu arbeiten, obwohl ich es natürlich auf der anderen Seite auch kritisch sehe. Werd ich sie trotzdem jeden Tag benutzen? Ja. Werd ich sie jemals für etwas Kreatives benutzen? Nein. Das ist auch meine Marken-Philosophie. Man spürt, wenn ein Mensch hinter etwas steht und genau dafür steh ich mit meinem Namen... – Emilia Hipp... Äh... Trieb.