MON | 14.05.2023 Emilia Trieb
Emilia Trieb
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PORTFOLIO AUS DER HÖLLE

Ein Einblick in den nervenaufreibenden Prozess meiner eigenen Website und warum es so schwer ist, für sich selbst zu designen.

PORTFOLIO AUS DER HÖLLE

Designer sagen gerne, es ist schwer für andere, aber noch viel schwerer für sich selbst zu designen. Ich dachte immer, das wäre eine Lüge – Ich kenne mich doch ganz gut und weiß was mir gefällt und was nicht. Genau... Das dachte ich.

Als ich angefangen habe meine Webseite bzw. mein dazugehöriges Corporate Design zu gestalten ist mir ganz schnell klar geworden, wie wenig ich mich selbst kenne. Man fängt an panisch nach Inspirationen im Internet zu suchen, die einem zusagen und die man so übernehmen kann. Das Pinterest Board wächst mit irgendwelchen Posts, die alle nicht zusammen passen, weil man ja irgendwie alles und nichts gleichzeitig schön findet. Man schaut sich Portolios und Webseiten an – bestenfalls noch von Awwwards als eine der besten Webseiten des Internets ausgezeichnet – und die Panik wächst. Plötzlich stellt man sich den Anspruch, dass die eigene Webseite auch auf Awwwards präsentiert werden muss, anders kann man sich ja nicht UX/UI Designer nennen.

Irgendwann sitzt man dann auf Figma, weil die eigengesetzte imaginäre Deadline immer näher rückt und hat einen leeren Frame vor sich. Ok, fangen wir einfach an. Welche Farben gefallen mir? Vielleicht Blau? Grün? Rot? Weinrot? Hellrot? Vielleicht doch den ganzen Regenbogen? Hier komme ich nicht weiter. Fonts... Fonts sind einfacher... ... Sans Serif oder Serif? Eine besondere Schrift für Überschriften? Überall die gleiche Schriftart?

Je weiter man denkt, desto schlimmer wird es. Welche Styles haben meine Buttons? Sollen sie animiert werden? Wie animiere ich Buttons? Welche Bilder benutze ich? Durch Copyright muss ich meine Bilder eigentlich selbst machen... Also ein Photoshooting... Wie krieg ich es hin, dass meine Bilder nicht gestellt, professionell, modern, aber auch mit Charakter aussehen? Ich will ja nicht nur einen Onepager haben... Das heißt ich brauch Unterseiten für meinen Blog – weil ich brauche ja einen Blog – und für meine Projekte.

In diesem Blogpost möchte ich meinen Prozess beschreiben, den es gebraucht hat um diese Webseite zu erstellen. Identitäts-Krisen sind hier vorprogrammiert.

Der Erste Entwurf

Ironisch jetzt zu sagen, dass der erste Entwurf der Webseite recht schnell stand. Ich hab mich daran erinnert, dass ich in der Oberstufe im Architektur-Kunstunterricht Bauhaus immer super interessant und toll fand. Also dachte ich: Ja, das passt sicherlich zu mir, so ein bisschen "Form follows Function doesn't hurt nobody". Beim eigentlichen Aufbau hab ich mich dann sehr darauf beschränken müssen, was ich dann eigentlich coden kann. Zu dem Zeitpunkt war KI noch nicht besonders gut darin und hat viele Fehler gemacht (so lange läuft dieses Projekt also schon...). Außerdem dachte ich, dass ich mit genug Ego und meinen selbst erlernten HTML und CSS Kenntnissen sicherlich eine stabile Webseite zusammenbauen kann. Gut, bei der letztlichen Umsetzung hat es dann schon daran gescheitert, das CSS File in der HTML zu verlinken, aber darüber muss man ja auch nicht sprechen... Wie lange ich in CSS saß und nicht verstanden habe, warum sich das Styling nicht ändert. Das hat für ein paar Minuten weh getan, muss ich ehrlich zugeben.

Als ich dann fertig mit dem Onepager war stellte ich mich den härtesten Kritikern, die ich habe: Meine Eltern und meine Schwester. Niemand sonst, würden mir ihre Gedanken komplett frei raus ohne Filter geben, wie meine Familie. Das macht Angst, ganz klar. Aber zumindest weiß ich, dass sie ehrlich sind und dass sie zu 94% Recht haben. Also präsentierte ich dann meine Webseite. Feedback war soweit nicht schlecht, jedoch meinte meine Schwester, dass die Webseite mich nicht repräsentiert... Stille... Paar Tränen... Identitäts-Krise... Leeres Figma Board und das drängende Bedürfnis meinen Mac aus dem Fenster zu werfen.

Das Soul-Searching

Jetzt fängt das "Soul-Searching" wirklich an. Ich kann den ganzen Prozess nur als eine "Outer-Body-Experience" beschreiben, also wie als wäre ich nicht mehr Herr meines eigenen Körpers. Man versucht, wie Doctor Strange den Geiste von seinem Körper zu trennen und rauszuzoomen. Wie bin ich als Person und wie will ich mich selbst präsentieren? Man schaut sich an welche Farben man im Alltag trägt, welche Musik man hört, welche Serien und Filme man toll findet, um daraus eventuell eine Designrichtung ableiten zu können. Aber was mach ich aus Weinrot, Beatles, Friends und Disney? Irgendwie ist das dann soweit gegangen, dass ich nicht mehr sicher war, ob ich die Musik, Filme und Kunst wirklich mochte, weil ich sie mochte. Vielleicht mochte ich sie nur, weil mir jemand gesagt hat, dass die Beatles und Pink Floyd mit die beste Musik jemals produziert haben und wer wäre ich, wenn ich sie dann nicht mögen würde? Vielleicht mochte ich Barrock Architektur nur, weil ich dann "fancy" und nicht wie jeder andere wäre. Man fängt also an, sich komplett selbst zu zerlegen und sich wie ein "Imposter" im eigenen Körper zu fühlen. Was ist, wenn ich mich selbst all die Jahre lang anlüge? Ich kann nicht ganz in Worte fassen, was das mit einen macht. Obwohl ich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels bereits 22 Jahre in diesem Leben als "ich" lebe kann man sich plötzlich über nichts mehr sicher sein.

Man kann nun noch viel tiefer in dieses Thema reingehen, wenn man das denn möchte. In der Ethik wird oft darüber gestritten, ob Menschen mit ihrem Charakter, Talent oder nicht-Talent, ihren Normen und Einstellungen geboren werden oder ob sie durch die Erlebnisse in ihrem Leben geprägt werden. Werden Serienmörder und Psychopaten als diese geboren oder werden sie zu solchen, weil ihr Vater sie in ihrer Kindheit geschlagen haben und sie in der Schule gemobbt wurden? Da sich in solchen Fragen nicht mal die bewandertsten Ethiker einig sind, kann ich da selbst nur meine eigene Meinung abgeben. Ich glaube, es ist teils teils. Ich bin schon der Meinung, dass im Erbgut einiges veranlagt werden kann, was die Entscheidungsfindung eines Individuums beeinflussen kann, jedoch glaube ich, dass die Erfahrungen im Leben viel prägender sind, als wir uns alle zugestehen wollen. Unser Unterbewusstsein ist faszinierend und wir werden es wahrscheinlich nie ganz verstehen können. Ich glaube, dass die kleinsten Dinge in unserem Alltag unser Verhalten maßgeblich verändern und beeinflussen. Von heute auf morgen hat man eine negative Assoziation mit der Farbe Grün, da ein Bekannter einen blöden Kommentar zu deiner Hose abgelassen hat und dieser zufällig ein grünes Oberteil anhatte. Das passiert oftmals nicht bewusst, sondern unbewusst. Der Körper ist darauf ausgelegt, sich selbst zu schützen – egal auf welche Art und Weise. Ein negativer Kommentar mag nicht schlimm sein, jedoch ist es für den Kopf ein Angriff. Worauf möchte ich jetzt hinaus? Ich glaube, jeder Mensch mag bestimmte Sachen wegen den Erfahrungen, die er damit gemacht hat. Ich verbinde die Beatles mit einer tollen Kindheit, mit Tagen am Strand in Italien, mit meinem alten Handy, auf das mein Vater noch mühevoll alle Musik laden musste, mit meinen Kopfhörern, die einen konstanten Wackelkontakt hatten und mit Solokonzerten mit "Long Tall Sally" für ein nicht-existierendes Publikum zu einer Zeit, zu der ich schon lange schlafen sollte. Das ist jetzt nur ein Beispiel. Aber mit allem, was ich mag, verbinde ich irgendetwas.

Die Stilrichtung

So... zurück zu meinem Portfolio der Hölle. Wie habe ich es jetzt endlich geschafft, mich auf eine Richtung zu einigen? Schwierig... Ich hab zunächst darauf geschaut, was ich im Alltag mache. Ich liebe die Farbe Weinrot. Ich trage sie gerne und oft und sie passt zu mir. Deswegen ist sie jetzt auch Teil des Corporate Designs. Ich bringe seit Jahren meine alte Sony Kamera zu Feierlichkeiten in der Freundesgruppe mit um Bilder zu machen. Einzige Regel: der Blitz muss immer an sein. Somit entstehen dann wunderbar authentische Bilder, die wir uns alle noch gerne anschauen. Das hat dann die Stilrichtung meines Bildsprache geprägt. Ich hab in früheren Designs gerne den Font Helvetica benutzt und hab sie extrem geliebt. Viele mögen sagen, sie sei basic, worauf ich erwiedere: Du bist basic... So gut kann ich übrigens mit Kritik umgehen... Egal. Jedenfalls hab ich dann Helvetica als meine Stammschrift eingeführt. Da ich jedoch nicht nur in die Moderne Richtung sondern zusätzlich in eine eher "Vintage-Richtung" – wenn man das so nennen kann – gehen wollte, habe ich mir zusätzlich eine Serifen Font gewünscht um meine Liebe zu Barrock und alter Architektur inkorporieren zu können. So bin ich dann auf die "Ortica" gestoßen. Mit viel Schweiß, Blut und Tränen hat sich dann aus diesen Korponenten ein Corporate Design entwickelt, das mir bis zum jetztigen Stand sehr gut gefällt.

Bin ich jetzt sicher, dass ich mein "Für-Immer-Design" gefunden hab... Nein. Aber das ist ok. Jeden Tag erlebt man viel zu viel, was einen dann für sein restliches Leben prägt. Man ist heute nicht mehr die gleiche Person, die man gestern war. Also warum sollte mein Design dann immer gleich aussehen? Der Prozess ist ja gerade das interessante und zeigt, wie man sich als Person ändert. Ist es trotzdem nervig, ständig von vorne anfangen zu müssen und nie sicher zu sein, dass man endlich fertig ist? Unglaublich. Ich will nicht wissen, wie viele Stunden, Wochen, Monate ich jetzt in dieses Projekt gesteckt habe, aber ich bin glücklich. Der Prozess hat mich mehr über mich selbst gelehrt, als jeder "Soul-Searching-Wochenendtrip" mir jemals hätte lernen können. Deswegen kann ich jedem nur wärmstens ans Herz legen sich selbst mit dem eigenen Design auseinanderzusetzen.

Was ich mal vor einer Zeit gelernt habe und mittlerweile auch fast jeden Tag pragtiziere: Man sollte nicht zu viel darüber nachdenken, ob die Entscheidungen, die man täglich trifft, richtig oder falsch sind – das wird man nur danach wissen – aber es ist wichtiger, wie man mit diesen Entscheidungen umgeht und was man aus ihnen macht.

Designers like to say it's hard to design for others, but even harder to design for themselves. I always thought that was a lie – I know myself pretty well and know what I like and what I don't. Exactly... That's what I thought.

When I started designing my website and its associated corporate design, I quickly realized how little I know about myself. You start frantically looking for inspiration on the internet that appeals to you and that you can adopt. Your Pinterest board grows with random posts that don't match at all, because somehow you find everything and nothing beautiful at the same time. You look at portfolios and websites – ideally awarded by Awwwards as one of the best websites on the internet – and the panic grows. Suddenly, you set the expectation for yourself that your own website must also be featured on Awwwards, otherwise you can't really call yourself a UX/UI designer.

Eventually, you sit in front of Figma, because the self-imposed imaginary deadline is getting closer, and you have a blank frame in front of you. Ok, let's just start. Which colors do I like? Maybe blue? Green? Red? Burgundy? Light red? Maybe the whole rainbow? I'm stuck here. Fonts... Fonts are easier... ... Sans Serif or Serif? A special font for headlines? The same font everywhere?

The further you think, the worse it gets. What styles do my buttons have? Should they be animated? How do I animate buttons? What images do I use? Because of copyright, I actually have to take my pictures myself... So a photoshoot... How do I make my pictures look unposed, professional, modern, but also full of character? I don't just want a one-pager... That means I need subpages for my blog – because I do need a blog – and for my projects.

In this blog post, I want to describe the process it took to build this website. Identity crises are pre-programmed here.

The First Draft

It's ironic to say now that the first draft of the website came together fairly quickly. I remembered that I always found Bauhaus super interesting and great in high school art and architecture classes. So I thought: Yes, that certainly fits me, a bit of "Form follows function doesn't hurt nobody". When actually building it, I had to strongly limit myself to what I could actually code. At that time, AI wasn't particularly good at it yet and made a lot of mistakes (so that's how long this project has been running...). Also, I thought that with enough ego and my self-taught HTML and CSS skills, I could certainly put together a stable website. Well, during the final implementation, it failed simply at linking the CSS file in the HTML, but we don't have to talk about that... How long I sat in CSS and didn't understand why the styling wasn't changing. I have to admit, that hurt for a few minutes.

When I finally finished the one-pager, I faced my harshest critics: my parents and my sister. No one else would give me their thoughts completely unfiltered like my family. That is scary, obviously. But at least I know they are honest and that they are 94% right. So I presented my website. The feedback wasn't bad so far, but my sister said that the website didn't represent me... Silence... A few tears... Identity crisis... An empty Figma board and the urgent need to throw my Mac out the window.

The Soul-Searching

Now the "soul-searching" really begins. I can only describe the whole process as an "outer-body experience", as if I were no longer the master of my own body. You try to separate your mind from your body and zoom out, like Doctor Strange. Who am I as a person and how do I want to present myself? You look at what colors you wear in everyday life, what music you listen to, what series and movies you like, to possibly derive a design direction from them. But what do I make of burgundy, The Beatles, Friends, and Disney? Somehow it went so far that I was no longer sure if I really liked the music, movies, and art because I liked them. Maybe I only liked them because someone told me that the Beatles and Pink Floyd produced some of the best music ever and who would I be if I didn't like them? Maybe I only liked Baroque architecture because then I would be "fancy" and not like everyone else. So you start to completely dismantle yourself and feel like an "imposter" in your own body. What if I've been lying to myself all these years? I can't quite put into words what that does to you. Although at the time of publishing this article I have already lived in this life as "me" for 22 years, suddenly you can't be sure of anything anymore.

You can go much deeper into this topic if you want to. In ethics, it is often debated whether people are born with their character, talent or lack thereof, their norms and attitudes, or whether they are shaped by the experiences in their lives. Are serial killers and psychopaths born as such, or do they become so because their father beat them in childhood and they were bullied at school? Since not even the most versed ethicists can agree on such questions, I can only offer my own opinion. I think it's a bit of both. I do believe that some things can be predisposed in our genetics that can influence an individual's decision-making, but I believe that experiences in life are much more formative than we all want to admit. Our subconscious is fascinating and we will probably never fully understand it. I believe that the smallest things in our everyday life significantly change and influence our behavior. From one day to the next, you have a negative association with the color green because an acquaintance made a stupid comment about your pants and happened to be wearing a green top. This often doesn't happen consciously, but unconsciously. The body is designed to protect itself – no matter in what way. A negative comment may not be bad, but it is an attack for the mind. Where am I going with this? I believe everyone likes certain things because of the experiences they've had with them. I associate the Beatles with a great childhood, with days at the beach in Italy, with my old cell phone onto which my dad painstakingly had to load all the music, with my headphones that had a constant loose connection, and with solo concerts featuring "Long Tall Sally" for a non-existent audience at a time when I should have long been asleep. That's just one example. But I associate something with everything I like.

The Style Direction

So... back to my portfolio from hell. How did I finally manage to agree on a direction? Difficult... I first looked at what I do in everyday life. I love the color burgundy. I wear it gladly and often and it suits me. That's why it is now also part of the corporate design. For years I have been bringing my old Sony camera to celebrations in our friend group to take pictures. The only rule: the flash must always be on. This results in wonderfully authentic pictures that we all still love looking at. That then shaped the style of my visual language. In previous designs, I loved using the font Helvetica and absolutely adored it. Many might say it is basic, to which I reply: You are basic... That's how well I handle criticism, by the way... Anyway. So I introduced Helvetica as my primary font. However, since I didn't just want to go in a modern direction but also in a more "vintage direction" – if you can call it that – I additionally wished for a serif font to incorporate my love for Baroque and old architecture. That's how I stumbled upon "Ortica". With a lot of sweat, blood, and tears, a corporate design developed out of these components that I am currently very happy with.

Am I now sure that I have found my "forever design"... No. But that's ok. Every day you experience way too much that shapes you for the rest of your life. You are not the same person today that you were yesterday. So why should my design always look the same? The process is exactly what's interesting and shows how you change as a person. Is it still annoying to constantly have to start over and never be sure that you are finally done? Incredibly. I don't want to know how many hours, weeks, months I have now put into this project, but I am happy. The process taught me more about myself than any "soul-searching weekend trip" ever could have. Therefore, I highly recommend everyone to engage with their own design.

Something I learned a while ago and now practice almost every day: You shouldn't overthink whether the decisions you make daily are right or wrong – you will only know that afterwards – but it is more important how you deal with those decisions and what you make out of them.

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ALBERT

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